Sonntag, Juli 09, 2006

einen Tag abschalten

Etwas halbherzig hatte ich die heutige Fahrradtour eigentlich schon für gestern, also Samstag, geplant, aber wenn am Freitag ein bierseliger Abend im Stadtpark mit anschließendem Kneipenbummel zwischen kommt, dann ist der nächste Tag schon halb um, bevor ich überhaupt wach bin. Und so blieb ich Samstag abend schön brav zu Haus. In dem Moment frage ich mich dann immer, ob das wirklich sein muß, ich könnte ja auch versuchen, Party und so einen Fahrradtag zu kombinieren...

...aber von der ersten Sekunde, die ich dann um acht Uhr morgens auf dem Fahrrad saß, noch angenehme 23°C und die Sonne im Rücken, wußte ich, daß das eine gute Entscheidung war! Und jetzt, um 18:00 bin ich zwar etwas alle, hatte dafür aber einen richtigen Urlaubstag mit Seele baumeln lassen und neue Sachen sehen. Abschalten eben.

Ich bin also zum Nuuksio Nationalpark gefahren - das hat sich auf halben Weg so ergeben (toller Fahrradkarte sei Dank). Und es ist echt schade, daß Fotos keine Gerüche einfangen können, denn diese flimmernde Luft mit dem Kieferngeruch, dazu die Seen und der heiße Asphalt... irgendwie erinnert das alles an meine Kindheit, wo wir so oft in Schweden waren im Sommer.
Seit ich damals am Nordkap mal Fahrradfahrer mit ihrem Gepäck und Mountainbikes sah und mitbekam, daß die aus Deutschland kamen, war es irgendwie immer mein Traum, da auch mal von Puttgarden - Rødby aus (durch DK und Schweden) hochzufahren. Naja, und wenn schon nicht so kraß, dann hat mich schon immer diese felsige Landschaft faszniert, und ich wollte unbedingt in Skandinavien mit nem vernünftigen, robusten Rad herumfahren. Und als ich da heute so fuhr, merkte ich, wie plötzlich ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen war! Der Tag war unübertrieben echt ein Segen. Ist schon witzig, daß es 10 Monate dauerte, bis ich das in die Tat umsetzte hier (naja, im Schnee bei Minusgraden Radfahren rockt ja auch nicht so).

Wenn man dann irgendwo im Nichts anhält, besonders später im Nationalpark, ist da absolut nichts außer Blätterrauschen und ein paar Grillen. Einfach nur toll!! ...achja, und Insekten!!
"Irgendwas war da doch, warum der ach-so-schöne-skandinavische-Sommer nicht perfekt ist..." Bei meinem ersten Halt, etwas ab der großen Straßen, fiel es mir auch prompt wieder ein: Fliegen, Bremsen, Mücken! Kaum hatte ich den Ständer des Fahrrades heruntergeklappt und packte was zu Trinken aus, war ich von einer Heerschaar von diesen Viechern umgeben. Besonders die Bremsen, so groß wie Briefmarken, sind echt sowas von anstrengend! Und penetrant! Jedes Foto, das ich Nationalpark machen wollte, trieb mich halb in den Wahnsinn. Pinkeln mußte ich zum Glück nur einmal... (und das muß aus der Entfernung wahrscheinlich zum Schreien ausgesehen haben)

Im Nationalpark fand ich aber tatsächlich zweimal eine Stelle, wo man sitzen konnte, ohne attackiert zu werden. Lag wohl an der Brise und war beide male an einem See. Die Pausen mit Lesen und Dösen waren schon toll, aber wohl etwas zu lang, denn danach hatte ich wenig Ansporn mehr auf den Extra-Schlenker, den ich mir für den Rückweg vorgenommen hatte. Natürlich hatte ich mir vorher auch nicht wirklich überlegt, daß es dort hinten keine Imbisse o.ä. gibt. Und nur mit Frühstück kam ich dann nicht weit und mußte zum Schluß echt die kleinste Steigung hochschieben (wobei mich der erste Gang einer Kettenschaltung immer noch fasziniert: damit eiert man gemütich jede Steigung hoch. Ich hatte zuvor ja immer nur 5-Gang-Nabe).

Eigentlich wollt ich noch Fotos auf meinen ach-so-leeren Flickr-Account tun, aber das dauert mir grad echt zu lang...

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