Mittwoch, Juli 26, 2006

deutsch-finnische Begegnungen

Ich finde es immer wieder erheiternd, Deutschland, deutsche Sitten oder einfach deutsche Sprache aus Sicht und Mund anderer zu hören. So heute wieder. Nach der "Arbeit" traf ich mich mit Lotta auf ein Bier. Bei der Gelegenheit saß ich auch zum ersten mal im "Biergarten" (Holzzaun um ein paar Tische) von Leppävaaras Spielunke Nr.1 an der Ecke: Tinurin tupa! [Name fällt mir grad nicht ein] Siehe Bild.

Irgendwann kamen zwei Kumpel von ihr dazu, und nach dem obligatorischen "Where are you from?" und der Antwort "Germany" kann man mit sich selber schon Wetten abschließen, was wohl die Reaktion ist. Denn die meisten Finnen hatten irgendwann in ihrem Leben mal Deutsch in der Schule, waren mal in Deutschland und haben was aufgeschnappt, haben deutsche Verwandte oder irgendwas. Man hat hier in der Schule als 2. 3. (schwedisch & englisch kommen erst) Fremdsprache die Wahl zwischen Französisch, Russisch, Deutsch... mehr weiß ich nicht mehr, und viele entscheiden sich eben für Deutsch.

Und wenn ich mir bloß mal Sachen besser merken könnte, käme jetzt eine etwas vollständigere Listung meiner Lieblingsphrasen, die man auf deutsch gesagt bekommt. Ich will es versuchen:

  • Ja, das ist schön!

  • Jawohl, sehr gut!

  • Jaja, das ist wunderbar.

  • Ich habe einen Panzerwagen ich meiner Lederhose oder

  • Ich habe Sauerkraut in meiner Lederhose.

  • Ich kann Käse kiloweise essen.

  • ...

...to be continued.

Wobei mir auch gerade noch ein anderer Schwank einfällt über deutsch-finnische Begegnungen. Und zwar fing ich irgendwann an, statt "Sorry, I don't speak finnisch. English?" einfach die finnische Version "Anteeksi, en puhun suomea. Puhutko englantia?" zu bringen, wenn mich jemand auf finnisch anspricht. Mit jedem mal bekommt man die Betonung etwas besser hin.

Wie mit dem Bier bestellen: "Yksi tuoppi!" (ein Pint bzw. Humpen, tuoppi heißt soviel wie Becher/Mug) versteht kein Barkeeper aus ganz Helsinki, wenn man es vernünftig betont, wie wir es im Finnisch-für-Ahnungslose-Kurs gelernt haben. Je besser man es nuschelt, desto eher versteht er, was man will. Und so bleibt außer "ks tuop" nicht viel über. Ganz wichtig: das t am Anfang aussprechen wie ein d, mit dem man nur Druckwellen erzeugen will.

Aber zurück zum en puhun suomea. So brachte ich eben diesen Satz mal einem Kumpel hier gegenüber, Lassi, und er faßte sich nur an den Kopf und meinte "Also mal ernsthaft, wenn du das so sagst, fühlt sich jeder auf den Arm genommen, von wegen du sprichst kein Finnisch!" Seine Theorie war, daß man es entweder so beschissen betonen soll, daß es offensichtlich ist, daß man der Sprache nicht mächtig ist, oder eben gleich auf englisch, versteht hier ja eh jeder (außer den Busfahrern!!). Aber das spornte mich nur mehr an, es beim nächsten mal so authentisch und lässig wie möglich rüberzubringen. Ergebnis: Lassi hatte recht. Finnisch ist so schräg und die Finnen so wenig, daß sie es einfach nicht gewohnt sind, daß jemand mehr als kiitos und hei sagen kann.

Und so glaubte mir ein Mann es die ganze Zugfahrt von Helsinki nach Pasila nicht (nagut, sind nur 5 Minuten, in denen kann man sich aber dennoch einiges erzählen), daß ich kein finnisch spreche. Schaut mich an, ihm steht das Häh? quasi auf der Stirn, und redet dann fröhlich weiter. Finnisch. Grumpf... Ich also auf englisch, "Sorry..." usw. Er: "Jaa... mitä?" Ich: "I don't get a word, you gotta talk english with me, sorry!!" Er fand das dann prompt lustig und meinte, das sei ja ein toller Scherz, aber seinetwegen, wenn ich mich denn damit interessanter fände, könnten wir auch englisch sprechen.

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